Studie: 13 Mrd. € Einsparpotenzial bei der GKV durch Digitalisierung

Studie: 13 Mrd. € Einsparpotenzial bei der GKV durch Digitalisierung

Eine aktuelle Deloitte-Analyse zeigt, dass innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) durch gezieltes Ausgabenmanagement bis zu 13 Mrd. € eingespart werden können (rund 0,7 Beitragspunkte). Potenziale liegen sowohl bei Leistungs- als auch bei Verwaltungsausgaben. Innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz, Cloud-Lösungen oder Process Mining eröffnen neue Möglichkeiten, die Kosten zu senken. Beispiele aus der Praxis reichen von KI-gestützter Rechnungsprüfung und datenbasierter Krankengeldsteuerung bis hin zu automatisierten Abrechnungsprozessen zur Senkung der Leistungsausgaben. Auf der Verwaltungsseite bieten insbesondere Standardisierung, Konsolidierung und Automationen von Prozessen, die Optimierung von Aufbau- und Ablauforganisation sowie Bündelungseffekte im Einkauf großes Einsparpotenzial.

Nachhaltige Finanzierung erfordert regulatorische Maßnahmen

Diese Maßnahmen können Krankenkassen bereits heute umsetzen, um sich im stärker werdenden Wettbewerb einen Vorteil zu sichern. Laut Deloitte sind aktuell rund 10 Mio. gesetzlich Versicherte bereit, ihre Kasse zu wechseln. Als zentraler Faktor gilt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag, dessen Höhe bei der Wahlentscheidung der Versicherten eine zunehmend bedeutende Rolle spielt. Für eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitssystems sind jedoch zusätzliche regulatorische Schritte erforderlich zur Stärkung der Einnahmenseite (z. B. Steuerzuschüsse) als auch zur effizienten Steuerung der Ausgaben (z. B. Stärkung der Digitalisierung, Prävention).

 

Kommentar:

Neben Deloitte hat auch McKinsey das Thema Digitalisierung der gesetzlichen Krankenkassen aufgegriffen, was als Zeichen für die hohe Aktualität und Relevanz des Themas zu werten ist. Die GKV steht unter großem finanziellem und strukturellem Druck: Die Ausgaben steigen kontinuierlich, die Zusatzbeiträge erreichen Rekordwerte. Digitalisierung gilt als Schlüssel, um diese Herausforderungen zu bewältigen und das gesamte System wirtschaftlicher zu gestalten. Gleichzeitig steht die Branche vor großen technischen und organisatorischen Umbrüchen. Notwendige Investitionen, Fachkräftemangel und regulatorische Anforderungen machen das Thema zu einem zentralen Handlungsfeld, das sowohl Risiken als auch große Chancen birgt.

Krankenkassen-Daten als Schlüssel zu besserer und effizienterer Versorgung

Der aktuelle McKinsey-Report hebt das bislang ungenutzte Potenzial hervor, das in den enormen Datenmengen der gesetzlichen Krankenkassen steckt. Diese verfügen bereits heute über eine Fülle an Informationen – von Abrechnungsdaten über Diagnosen und Therapieverläufe bis hin zu Versorgungsdaten.

McKinsey hat fünf zentrale Bereiche identifiziert, in denen die datengetriebene Transformation nicht nur die Effizienz steigert, sondern auch die Versorgungsqualität verbessert. Die fünf Bereiche bestehen aus Krankenhäusern (12 Mrd. € Einsparpotenzial), ambulanter Versorgung (3,3 Mrd. €), pharmazeutischer Versorgung (4,5 Mrd. €), Verwaltung (1,4 Mrd. €), Prävention und Versorgungssteuerung (4,2 Mrd. €).

Damit die Analytiktransformation gelingt und das Einsparpotenzial voll ausgeschöpft werden kann, braucht es eine strategische Neuausrichtung:

  • Datenqualität und -verfügbarkeit: strukturierte Datenhaltung und klare Daten-Governance sind Grundvoraussetzungen
  • IT-Infrastruktur und Analytics-Plattformen: KI-Tools und Data-Lakes für präzise Echtzeitanalysen
  • Kompetenzaufbau: spezialisiertes Personal für Daten-Management und Daten-Analyse als fester Teil der Organisation
  • Kooperationen: Partnerschaften mit Start-ups, Forschungseinrichtungen und Technologieanbietern beschleunigen Innovationen

Die Bedeutung der Cyberabwehr im Gesundheitswesen nimmt aufgrund der Digitalisierung zu. Krankenkassen und Gesundheitsdienstleister geraten zunehmend ins Visier von Cyberangriffen, die weltweit für Schäden sorgen. Neben finanziellen Verlusten führen diese Angriffe auch zu Betriebsstörungen und schwächen das Vertrauen der Versicherten.

Um diesen Risiken zu begegnen, müssen Krankenkassen Sicherheitsstrategien umsetzen. Dazu gehört der Schutz sensibler Daten, der durch eine klare Priorisierung und Identifikation der wichtigsten Informationsbestände gewährleistet wird. Entscheidend sind auch die kontinuierliche Anpassung und Weiterentwicklung bestehender Sicherheitsprotokolle. Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Zusammenarbeit mit Drittparteien, da Cyberangriffe häufig über Sicherheitslücken bei externen Anbietern erfolgen.

Quellen:

Autor Moritz Thiel
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