Die Morgan-Stanley-Studie untersucht die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Beschäftigung und Produktivität in fünf Branchen, darunter die Medizintechnik, und vergleicht mehrere große Volkswirtschaften. In Großbritannien berichten Unternehmen trotz deutlicher Produktivitätsgewinne von durchschnittlich 11,5 % über einen Netto-Beschäftigungsrückgang von 8 %, der stärkste Wert im Ländervergleich. Besonders betroffen sind frühe Karriere- und Einstiegspositionen.
In den USA führten vergleichbare Produktivitätszuwächse durch KI hingegen zu einem Beschäftigungsplus: Unternehmen schufen mehr neue Stellen, als sie abbauten. Japan verzeichnete ebenfalls deutlich geringere Jobverluste, was auf eine stärker ergänzende Nutzung von KI und langfristigere Beschäftigungsstrategien hindeutet.
Deutschland liegt laut Studie zwischen diesen Extremen. Deutsche Unternehmen meldeten zwar ebenfalls Produktivitätsgewinne durch KI, die Auswirkungen auf die Beschäftigung fielen jedoch moderater aus als in Großbritannien und blieben näher an einem ausgeglichenen Verhältnis von Jobabbau und -aufbau. Dies deutet darauf hin, dass KI hier eher schrittweise integriert wird und stärker mit bestehenden Arbeitsprozessen – auch in der Medizintechnik – verzahnt ist.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass selbst in technologie- und innovationsintensiven Branchen wie der Medizintechnik die Beschäftigungseffekte von KI stark vom jeweiligen nationalen Arbeitsmarkt, den Kostenstrukturen und politischen Rahmenbedingungen abhängen.
Kommentar:
Laut deutschen Branchenverbänden gilt KI zusammen mit Robotik als einer der zentralen Innovationstreiber der deutschen Medizintechnik. Viele Unternehmen arbeiten an KI‑Features in bestehenden Geräten, um Diagnostik, Therapie und Pflege zu transformieren.
Gleichzeitig wird berichtet, dass insbesondere mittelständische Medtech‑Hersteller Schwierigkeiten haben, KI‑Projekte von der Idee durch Validierung und Zulassung bis in den breiten Markteinsatz zu bringen, weil Datenzugang, klinische Studien und regulatorische Anforderungen sehr ressourcenintensiv sind.
Regulierung: MDR, AI Act und Hürden
Die EU‑Medizinprodukte‑Verordnung (MDR) bleibt für deutsche Medtech‑Unternehmen eine der größten Hürden: Höhere Anforderungen an klinische Daten und Dokumentation verlangsamen auch KI‑basierte Innovationen, weil Algorithmen oft nachtrainiert und aktualisiert werden müssen.
Hinzu kommt der europäische AI Act, der den zentralen Rechtsrahmen für den Einsatz von KI in der Medizintechnik darstellt und diese fast immer als „Hochrisiko‑KI“ einstuft. Dadurch entstehen zusätzliche Pflichten für Risikomanagement, Transparenz, Datenqualität und Monitoring.
Verbände warnen, dass eine Überlagerung von MDR, AI Act und weiteren Stoffregulierungen (etwa PFAS‑Beschränkungen) Innovationszyklen verlängern und den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb schwächen könnte.
Quellen:
