Tierärzte: Statistik offenbart strukturelle Probleme

Tierärzte: Statistik offenbart strukturelle Probleme

Die Zahl der Tierärzte in Deutschland ist erneut gestiegen. Ende 2025 waren bei den Landestierärztekammern insgesamt 46.089 approbierte Tiermediziner registriert – und damit 444 mehr als ein Jahr zuvor. Dies geht aus der aktuellen Statistik der Bundestierärztekammer (BTK) hervor. Die Entwicklung verlief jedoch regional unterschiedlich. Den stärksten Zuwachs verzeichneten Bayern (+111 Tierärzte gegenüber 2024), Hessen (+80) und Baden-Württemberg (+79). Rückläufig waren die Zahlen dagegen vor allem in Berlin (-45) und Sachsen-Anhalt (-41). Auch Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz meldeten jeweils einen Rückgang um 14 Tierärzte.

Von den 46.089 erfassten Tierärzten waren Ende 2025 nur drei Viertel (34.476) tatsächlich tierärztlich tätig. Rund ein Viertel gehörte nicht zur aktiven Berufsausübung, da sich diese Personen z. B. im Ruhestand befanden, arbeitslos waren, in anderen Berufsfeldern arbeiteten oder unentgeltlich tätig waren (beispielsweise im Rahmen einer Promotion).

Deutlicher Trend zur Anstellung

Frauen stellen die Mehrheit der Tierärzteschaft in Deutschland. Ende 2025 lag ihr Anteil an allen bei den Tierärztekammern registrierten Tierärzten bei 66,8 %. Unter den beruflich aktiven Tierärzten betrug der Frauenanteil sogar 71,7 %. Im tierärztlichen Nachwuchs ist die Dominanz noch ausgeprägter: Von den Absolventen mit bestandener Staatsprüfung waren 89 % weiblich.

Gleichzeitig setzt sich der Strukturwandel in der tierärztlichen Berufsausübung fort. Während 2025 die Zahl der niedergelassenen Tierärzte um 48 auf 11.216 zurückging, nahm die Beschäftigung im Angestelltenverhältnis um 135 auf 12.125 zu. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Angebotsstrukturen wider. Während die Zahl der Tierkliniken weitgehend stabil blieb, ging die Zahl der Tierarztpraxen in den meisten Kammerbereichen zurück. Trotz dieses Rückgangs dominieren weiterhin die inhabergeführten Einzelpraxen, auf die rund 77 % aller tierärztlichen Praxen entfallen (vgl. Abb.).

Abbildung: Anzahl der niedergelassenen Tierärzte nach Praxisform (2025)

Kuchendiagramm: Anzahl und Anteil der selbstständigen Tierärzte nach Praxisform 2025

Quelle: Bundestierärztekammer (2026), Darstellung: REBMANN RESEARCH

Ein Drittel der Tierärzte bereits 60 Jahre und älter

Die Statistik weist zudem auf die fortschreitende Alterung der Tierärzteschaft hin. So ist die Zahl der Kammermitglieder im Alter von 60 Jahren und älter gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen. Ende 2025 gehörte bereits ein Drittel (33,7 %) aller registrierten Tierärztinnen und Tierärzte dieser Altersgruppe an.

 

Kommentar:

Der Anstieg der Zahl approbierter Tierärzte täuscht über die strukturellen Herausforderungen hinweg. Tatsächlich sind nur drei Viertel der registrierten Tierärzte beruflich aktiv. Gleichzeitig setzt sich der Trend weg von der Niederlassung fort, während der Anteil älterer Tierärzte weiter steigt. Damit verschärft sich das Risiko von Versorgungslücken, insbesondere in ländlichen Regionen, wenn frei werdende Praxen keinen Nachfolger finden.

Die Sicherstellung einer flächendeckenden tierärztlichen Versorgung wird deshalb künftig weniger von der Zahl der Approbationen als vielmehr von attraktiven Arbeitsbedingungen, tragfähigen Nachfolgemodellen und wirtschaftlich stabilen Praxisstrukturen abhängen. Zusätzliche Bedeutung erhält dies vor dem Hintergrund der laufenden Evaluation der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Tierarztpraxen stehen zunehmend im Spannungsfeld zwischen steigenden Personal-, Energie- und Investitionskosten, dem Fachkräftemangel sowie dem Anspruch, eine qualitativ hochwertige und zugleich für Tierhalter bezahlbare Versorgung sicherzustellen (vgl. News vom 3.6.2026).

Quelle: BTK Berlin – Tierärztestatistik 2025: Mehr Tierärzt:innen – aber weniger Selbstständige

Autor Antonia Leonhard
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