TK und GWQ bündeln ihre Nachfragemacht in gemeinsamer Biosimilar-Ausschreibung

TK und GWQ bündeln ihre Nachfragemacht in gemeinsamer Biosimilar-Ausschreibung

Die Techniker Krankenkasse (TK) und die GWQ ServicePlus AG (GWQ) starten eine gemeinsame Ausschreibung im Biosimilar-Bereich für sieben Wirkstoffe in insgesamt zwölf Fachlosen. Dies geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der TK hervor. Mit der gemeinsamen Ausschreibung bündeln beide Institutionen die Nachfrage von insgesamt 40 Krankenkassen mit mehr als 30 Mio. Versicherten. Das jährliche Gesamtumsatzvolumen der ausgeschriebenen Arzneimittel beläuft sich auf rund 1,56 Mrd. €. Der Vertragsstart ist für den 1.1.2027 vorgesehen.

Ziel der gemeinsamen Ausschreibung ist es, den Wettbewerb im Bereich biologischer Fertigarzneimittel weiter anzukurbeln, Einsparpotenziale für die gesetzliche Krankenversicherung zu realisieren und gleichzeitig eine verlässliche Versorgung sicherzustellen. Erreicht werden soll dies insbesondere durch die Festlegung verbindlicher Liefermengen sowie durch das Vorhalten definierter Lagerbestände über die gesamte zweijährige Vertragslaufzeit hinweg.

 

Kommentar:

Während Rabattverträge für klassische Generika bereits seit vielen Jahren etabliert sind, entwickelte sich der Bereich der Biosimilars deutlich langsamer. Biosimilars sind Nachfolgeprodukte biologischer Arzneimittel und unterscheiden sich aufgrund der komplexen Herstellung grundlegend von chemisch-synthetischen Generika. Lange Zeit bestanden regulatorische und medizinische Vorbehalte gegenüber einem automatischen Austausch biologischer Arzneimittel in der Apotheke.

Eine wesentliche Veränderung brachte das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV), das im August 2019 in Kraft trat und die Grundlage schuf, Biosimilars ähnlich wie Generika austauschbar zu machen. In der Folge erarbeitete der G-BA konkrete Vorgaben zur Substitution biologischer Arzneimittel durch Biosimilars in der Apotheke. Mit der seit 2026 regelhaft möglichen Substitution biologischer Arzneimittel gewinnt auch das Ausschreibungsgeschäft im Biosimilar-Segment deutlich an Dynamik. Insbesondere Einkaufsgemeinschaften wie spectrumK und die GWQ ServicePlus AG sowie große Krankenkassen wie Barmer und Techniker Krankenkasse treiben entsprechende Vergabeverfahren voran. Im Fokus stehen vor allem hochpreisige und volumenstarke Wirkstoffe. Die Kassen verfolgen damit das Ziel, den Wettbewerb zwischen Biosimilar-Herstellern zu verschärfen und die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung nachhaltig zu senken.

Hersteller befürchten negative Folgen für die Versorgungssicherheit

Die Entwicklung zeigt, dass sich der deutsche Biosimilar-Markt zunehmend an die seit Jahren etablierte Steuerungslogik des Generikamarktes annähert. Gleichzeitig wächst jedoch die Kritik seitens der Industrie. Während der Biosimilar-Markt bislang überwiegend nach dem sogenannten „Open-House-Prinzip“ organisiert ist – bei dem mehrere Hersteller parallel Rabattverträge mit den Krankenkassen abschließen können –, bestehen Befürchtungen, dass exklusive Rabattverträge mit nur einem Anbieter ähnliche Marktmechanismen auslösen könnten wie im Generikamarkt.

Die Erfahrungen aus dem Generikabereich zeigen, dass exklusive Ausschreibungen zu einem Rückzug konkurrierender Hersteller und damit zu einer zunehmenden Marktkonzentration führen können. Dies könnte langfristig den Wettbewerb schwächen und die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern erhöhen. Besonders kritisch wird dies im Biosimilar-Markt gesehen, da dieser im Vergleich zum Generikamarkt durch eine deutlich geringere Zahl an Herstellern sowie durch komplexe Entwicklungs- und Produktionsprozesse geprägt ist.

Vor diesem Hintergrund warnen Branchenvertreter davor, dass Lieferinstabilitäten im Biosimilar-Bereich gravierendere Auswirkungen haben könnten als bei klassischen Generika. Produktionsausfälle oder Lieferengpässe einzelner Anbieter könnten sich aufgrund der begrenzten Marktbreite unmittelbar auf die Versorgung auswirken und die Versorgungssicherheit biologischer Arzneimittel gefährden. Zudem warnen Branchenverbände vor einer möglichen Schwächung des europäischen Biopharmastandorts infolge zunehmenden Preisdrucks.

Quelle: Techniker Krankenkasse – Gemein­same Biosi­mi­lar-Ausschrei­bung von TK und GWQ

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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