Die Mängelquote bei Röntgengeräten in Deutschland ist im Jahr 2024 von 16 auf 12 % gesunken. Das geht aus dem TÜV-Röntgenreport 2025 hervor. Trotz der positiven Entwicklung wurden an rund 1.900 Anlagen weiterhin sicherheitsrelevante Beanstandungen festgestellt. Die aktuelle Auswertung macht damit deutlich, dass Qualitätssicherung, Betreiberverantwortung und regelmäßige Prüfprozesse angesichts zunehmender Systemkomplexität weiter an Bedeutung gewinnen.
Mängelquote sinkt trotz steigender Prüfzahlen
Im Jahr 2024 wurden bundesweit rund 15.600 Röntgengeräte geprüft – etwa 4 % mehr als im Vorjahr. Ein erheblicher Teil der dokumentierten Mängel wurde als schwerwiegend eingestuft (19 %). In diesen Fällen dürfen die betroffenen Systeme erst nach erfolgreicher Nachprüfung wieder betrieben werden. Mehr als die Hälfte der Mängel fällt unter die Kategorie erheblich, während jeder vierte Mangel lediglich geringfügig ist. Der Report unterstreicht damit, dass regelmäßige technische und organisatorische Kontrollen weiterhin ein zentraler Bestandteil der Strahlensicherheit bleiben.
Dentalmedizin bleibt besonders auffällig
Mehr als die Hälfte (54 %) aller geprüften Anlagen entfiel auf die Dentalmedizin. Den größten Anteil machten Dental-Tubus-Geräte aus, die für Einzelzahnaufnahmen direkt im Behandlungszimmer eingesetzt werden. Hinzu kamen die am zweithäufigsten geprüften Panoramaschichtaufnahmegeräte, die für Aufnahmen des gesamten Gebisses verwendet werden und in der Regel in separaten Röntgenräumen installiert sind.
Insgesamt wiesen 1.245 dentalmedizinische Anlagen mindestens einen Mangel auf. Die Sachverständigen dokumentierten 1.814 einzelne Beanstandungen, was durchschnittlich 1,46 Mängeln pro beanstandetem Gerät entspricht. Auffällig sind hier vor allem organisatorische und formale Defizite – etwa unzureichend gekennzeichnete Kontrollbereiche oder Mängel bei Patientenschutzmitteln. Kontrollbereiche kennzeichnen jene Bereiche, in denen während einer Röntgenaufnahme erhöhte Strahlenexpositionen auftreten können. Gerade in Zahnarztpraxen, in denen Röntgengeräte häufig direkt im Behandlungsraum eingesetzt werden, tragen sie dazu bei, Patienten und Personal vor unnötiger Strahlenbelastung zu schützen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Beanstandungen weniger auf klassische technische Defekte zurückzuführen sind als vielmehr auf Schwächen im laufenden Praxisbetrieb. Gerade in kleineren Einrichtungen bleiben Qualitätssicherung und Strahlenschutz offenbar stark von den jeweiligen Betreiberprozessen abhängig. Ein Großteil der Mängel wurde im Rahmen wiederkehrender Prüfungen festgestellt. Das spricht für die Bedeutung kontinuierlicher Kontrollen im Routinebetrieb.
Bildwiedergabe und digitale Systeme rücken stärker in den Fokus
Im Bereich der Humanmedizin, die 19 % der geprüften Anlagen ausmachen, lag die Mängelquote leicht unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt wurden 2.939 Geräte geprüft, wobei die Sachverständigen 698 einzelne Beanstandungen dokumentierten. Dies entspricht durchschnittlich 1,77 Mängeln pro beanstandetem Gerät. Auffällig bleiben jedoch Beanstandungen bei Bildwiedergabesystemen. Fehlerhafte Monitore oder Darstellungsprobleme können die diagnostische Qualität beeinträchtigen und damit potenziell zu Fehldiagnosen oder unnötiger Strahlenbelastung führen.
Der Report zeigt damit auch, wie sich die Anforderungen in der Radiologie verändern: Während früher vor allem die Hardware im Fokus stand, gewinnen heute digitale Komponenten, Softwarequalität, Datenverarbeitung und Workflow-Prozesse zunehmend an Bedeutung.
Zusätzliche regulatorische Anforderungen an Bildwiedergabesysteme verschärfen diesen Trend weiter.
Mammografie-Screening als Positivbeispiel
Deutlich besser fällt die Sonderauswertung zu Mammografie-Geräten aus. Von insgesamt 109 geprüften Anlagen wurden lediglich 11 beanstandet, was einer Mängelquote von 10 % entspricht. Die festgestellten Mängel betrafen überwiegend formale Aspekte und wurden größtenteils bereits vor der Inbetriebnahme identifiziert. Das Mammografie-Screening gilt damit als Beispiel dafür, dass standardisierte Qualitätsanforderungen und engmaschige Prüfprozesse in der Praxis wirksam funktionieren können.
Kommentar:
Der jährlich veröffentlichte TÜV-Röntgenreport gilt als Stimmungsbild für die technische Qualität und den sicheren Betrieb von Röntgeneinrichtungen in Deutschland. Die Auswertung basiert auf mehreren Tausend Sachverständigenprüfungen und zeigt, in welchen Bereichen Betreiber, Serviceorganisationen und Hersteller besonders gefordert sind. Die Ergebnisse liefern damit nicht nur Hinweise zur Patientensicherheit, sondern auch zu aktuellen Herausforderungen im Lifecycle-Management moderner bildgebender Systeme.
Mit der fortschreitenden Digitalisierung der Radiologie verschieben sich viele Anforderungen zunehmend in Richtung Software, Bildverarbeitung, Dokumentation und Prozessqualität. Die im Report identifizierten Auffälligkeiten bei Bildwiedergabesystemen verdeutlichen diese Entwicklung. Für Medizintechnikunternehmen gewinnen damit Themen wie Lifecycle-Management, Servicekonzepte, Schulungen und digitale Qualitätssicherung weiter an Bedeutung.
Quelle: TÜV-Verband – TÜV Röntgenreport 2025: Jedes achte Gerät mit Mängeln
