Leicht steigende Apothekenmarge in 2024
Jährlich wird auf dem Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) der Apothekenwirtschaftsbericht für das vergangene Jahr vorgestellt. Die Zahlen für 2024 erscheinen – auf den ersten Blick und insbesondere im Vergleich zum Vorjahr – positiv:
- Der Durchschnittsumsatz der im Panel der Treuhand Hannover erfassten Apotheken – das sind ca. 2.400 Betriebsstätten – stieg erneut an, auf 3,7 Mio. € (netto).
- Gleichzeitig verbesserte sich sowohl die absolute als auch die relative Gewinnsituation: Die Marge erhöhte sich leicht von 4,3 % auf 4,4 % und das durchschnittliche Betriebsergebnis legte auf 162.000 € zu (148.000 € in 2023).
Diese Zahlen müssen jedoch einer detaillierteren Betrachtung unterzogen werden, dann erscheint das Bild etwas düsterer:
Preisbereinigter Durchschnittsgewinn jedoch geringer als in den letzten zehn Jahren
Mit 4,3 % war im Jahr zuvor (2023) ein Negativrekord zu verzeichnen – noch nie war die Rendite von Apotheken so niedrig; zwar ist eine rückläufige prozentuale Marge bei wachsenden Umsätzen durchaus normal, nicht jedoch in dem Ausmaß, wie es der Blick auf die inflationsbereinigten absoluten Gewinne zutage bringt: preisbereinigt ist der Gewinn im Jahr 2024 niedriger als jener von vor zehn Jahren! Es wundert folglich nicht, dass Standesvertreter seit geraumer Zeit eine Erhöhung der Apothekenvergütung fordern, was zuletzt auch explizit Eingang in den Koalitionsvertrag fand. Diese (gesetzlich geregelte) Vergütung für Rx-Arzneien ist die Hauptvariable für den Wareneinsatz, welcher seinerseits der größte Kostenblock darstellt und damit zentral für die Marge von Apotheken ist.
Einzelne Apotheke erzielt immer mehr Umsatz
Neben einer reinen Durchschnittsbetrachtung lohnt ein Blick auf die Größenklassen, zumal die Schere hier immer weiter auseinandergeht:
- Sechs von zehn Apotheken (62 %) erlösen weniger als die o. g. durchschnittlichen 3,7 Mio. €, die typische Apotheke liegt bei 2,5 Mio. €. Umgekehrt steigt der Anteil großer Apotheken stetig: 17 % erzielen mehr als 6 Mio. € im Jahr, vor zehn Jahren waren das nur 2 %.
- Bei 46 % der Betriebe – das ist nahezu die Hälfte! – liegt das Ergebnis unter 125.000 €, bei jedem Fünften sind es weniger als 75.000 €, bei 7 % ist sogar ein Verlust zu verbuchen.
Das Betriebsergebnis umfasst nicht nur den Gewinn in Form eines kalkulatorischen Unternehmerlohns, sondern davon müssen persönliche Altersvorsorge, Steuern etc. bedient werden. Berücksichtigt man zudem das unternehmerische Risiko, wird deutlich, dass die Tätigkeit als angestellter Apotheker lukrativer ist – ohne Wagnis und ohne Nacht- und Wochenenddienste.
Die Luft für kleine Betriebsstätten wird somit immer dünner bzw. der Margendruck höher. Diese scheiden aus dem Markt aus, während die Top-Performer stetig weiterwachsen und sich auch ökonomisch nicht unbedingt verschlechtern.
Branchenexperten gehen daher davon aus, dass eine Apotheke künftig mindestens 2,5 Mio. € Umsatz erwirtschaften muss, um ein auskömmliches Ergebnis zu erzielen (Quelle: AWA 12/2025). Aktuell liegen 30 % der Betriebsstätten unter dieser kritischen Umsatzschwelle.
Kommentar:
Dabei wird eine Durchschnittsbetrachtung dem Apothekeneinzelfall immer weniger gerecht,
- denn es gibt auch kleine Apotheken, die rentabler sind, z. B. wenn sie in der eigenen Immobilie betrieben werden oder der Hochpreiser-Anteil gering ist.
- denn in den Auswertungen der Treuhand Hannover bleiben sonstige Einkünfte unberücksichtigt, und diese werden für Apotheken immer wichtiger (z. B. Erlöse durch pharmazeutische Dienstleistungen, Auszahlungen aus dem Nacht- und Notdienstfonds, Impfungen etc.) und
- sie beziehen sich nur auf einzelne Betriebsstätten; d. h. alle Filialbetriebe, die naturgemäß geringere Renditen aufweisen (z. B. aufgrund eines angestellten Apothekenleiters), werden als einzelne Betriebe gewertet und verwässern somit das Ergebnis; de facto dürften damit die Ergebnisse je Hauptapotheke bzw. je Verbund besser ausfallen. Allerdings gilt auch für Filialapotheken, deren Ertragssituation angesichts steigender Kosten und Personalmangels einer kritischen unternehmerischen Prüfung zu unterziehen. Das dürfte auch erklären, weshalb letztes Jahr 129 Filialapotheken geschlossen wurden (bei nur 19 Neugründungen).
Siehe auch News vom 8.8.2024 sowie 5.6.2024
Quellen:
- Apothekenwirtschaftsbericht 2025 / DAV-Wirtschaftsforum 14.5.2025 (download unter https://www.abda.de/aktuelles-und-presse/pressemitteilungen/detail/apothekenwirtschaftsbericht-2025-mehr-umsatz-aber-ein-viertel-der-apotheken-weiterhin-in-der-bredouille/)
- AWA 12/2025