Vor dem Amtsantritt von Donald Trump gab es in den USA keine Einfuhrzölle auf die allermeisten pharmazeutischen Produkte oder Wirkstoffe, denn das internationale Pharma-Zollabkommen (GATT Pharma Agreement) – dem die USA seit 1994 angehörten – sicherte den weitestgehend zollfreien Handel mit Medikamenten zwischen den großen Industrienationen.
Nachdem er bereits vor der Wahl u. a. das Thema Arzneimittelpreise auf der politischen Agenda hatte, kündigte er bereits im Frühjahr 2025 zwei Maßnahmen dazu an:
- Per Dekret sollen die Arzneimittelpreise um 90 % gesenkt werden, u. a. über eine eigene, staatliche Verkaufsplattform (Arbeitstitel ‚TrumpRx‘) sowie
- Einfuhrzölle bzw. entsprechende ‚Deals‘ mit Arzneimittelherstellern, die dann ihrerseits über das Anbieten günstigerer Preise die erhöhten Zölle umgehen können. Angedroht waren Zölle bis zu 100 % für Arznei-Importe, sofern keine Investitionen in den USA getätigt werden.
Tatsächlich sind Arzneien in den USA wesentlich teurer als anderswo: Patentarzneien fast 2,8-mal so viel wie in 33 anderen OECD-Ländern. Europäische Pharmahersteller verdienen daher gut in den USA und sind bzw. wären entsprechend betroffen von den Maßnahmen; insbesondere bei neuen Produkten machen die US-Erlöse zwei Drittel des Marktes aus.
Wie hoch sind die Einfuhrzölle?
Für Pharmaunternehmen aus der EU (Schweiz und Japan) wurden aus den ursprünglich angekündigten 100 % auf Patentarzneien 15 %. Ähnlich sieht es mit Generika aus, auf diese sollten ab Mitte 2026 Einfuhrzölle (in Höhe von 100 %) erhoben werden, nun wurde eine ‚Schonfrist‘ bis August 2028 eingeführt; ab dann steigt der Zoll für importierte Generika von 0 % auf 100 % (ab August 2029 sogar auf 200 %). Pharmaunternehmen erhalten damit ein Zeitfenster von zwei Jahren, um ihre Lieferketten in die USA zu verlagern. Experten gehen jedoch davon aus, dass das gerade bei Generika schwierig sein dürfte, denn die Margen sind extrem gering, zwei Jahre kurz und es ist fraglich, ob in den USA überhaupt (so) rentabel wie in Asien (das Gros der Generika kommt aus Indien und China) produziert werden kann. Aktuell sind 90 % der verordneten Arzneien aus den USA Generika, nur 5 % der Wirkstofffabriken finden sich jedoch dort. Entsprechend kommen 87 % der pharmazeutischen Vorleistungen aus dem Ausland.
Letztendlich könnte es damit genau gegenteilig zu höheren Arzneimittelpreisen bzw. Engpässen kommen (weil die Zölle natürlich die Preise erhöhen), oder – und das ist eher wahrscheinlich – es wird wieder zurückgerudert, die Ankündigungen werden zurückgenommen und/oder entsprechende ‚Deals‘ ausgehandelt. So wie zuletzt bei den Patentarzneien mit Großbritannien: Im Gegensatz zur EU, für die der 15 %-Zoll gilt, hat sich UK durch massive Zugeständnisse eine vollständige Zollbefreiung für die nächsten drei Jahre (bis Januar 2029) gesichert. Im Gegenzug verteuert das Königreich die dortigen Arzneimittelpreise (weniger Rabatte und damit höhere Margen auch für die US-Konzerne) und es wurden entsprechende Investitionen in US-Standorte angekündigt.
Das GKV-Sparpaket hat Auswirkungen auf die US-Preise von Arzneien
Die Vor-Ort-Preise in den jeweiligen Ländern sind daher auch deswegen von Interesse, weil in den USA ein sogenanntes ‚Most favoured Nations‘-Modell angestrebt wird, d. h. Pharmaunternehmen müssen den US-Behörden (insbesondere Medicare und Medicaid) patentierte Medikamente zum niedrigsten Preis anbieten, den sie in vergleichbaren, hochentwickelten Industrieländern (wie Deutschland, Frankreich oder Kanada) verlangen.
Wenn nun, wie jüngst im Rahmen des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes, die Preise von Arzneien günstiger werden (da es eine Erhöhung des Herstellerrabatts von 7 % auf 15,5 % vorsieht), bedeutet das, dass auch die von Trump angestrebten Ziel-Preise in den USA sinken; damit können die Pharmahersteller ihre Forschung nicht mehr durch die USA finanzieren bzw. ihr Geschäftsmodell stünde zur Disposition.
Die USA hat eine Untersuchung zu deutschen Arzneimittelpreisen eingeleitet mit genau diesem Vorwurf: Deutschland würde durch staatliche Preisbremsen innovative Arzneimittel systematisch „unterbezahlen“, zulasten des US-Handels und auf Kosten amerikanischer Patienten, die einen Großteil der weltweiten Forschungs- und Entwicklungskosten zu schultern hätten.
Gleichzeitig drohen US-Konzerne damit, neue, innovative Medikamente verzögert oder gar nicht mehr auf den deutschen Markt zu bringen, um ihre Preise auf der TrumpRx-Plattform in den USA nicht nach unten korrigieren zu müssen.
Auswirkungen auf den deutschen Arzneimittel- und Apothekenmarkt sind dabei schwer zu prognostizieren. Der US-Markt ist jedoch bedeutend, gehen doch nahezu ein Viertel der hiesigen Pharmaexporte in die USA. Viele Pharmahersteller haben bereits mit entsprechenden Maßnahmen wie Direktvertrieb unter Umgehung des Großhandels, Preissenkungen etc. reagiert. Folgen könnten Kostensenkungsmaßnahmen sein oder Einschränkungen in der Produktion, dann wären weitere Lieferengpässe nicht unwahrscheinlich, oder sogar Investitionsverlagerungen oder Preiserhöhungen in Europa etc. Noch gravierender sähe es, wenn auch Europa mit Einfuhrzollerhöhungen reagiert, entsprechend würden sich Arzneimittelimporte (17 % davon kommen aus den USA) verteuern, aber auch amerikanische Vorprodukte für die Arzneimittelproduktion könnten knapp bzw. teurer werden.
Kommentar:
Auf den ersten Blick treffen die Maßnahmen insbesondere den US-amerikanischen Markt – wenn jedoch Unternehmen als Folge entsprechender Regelungen bzw. ‚Deals‘ ihre Wertschöpfungs- und Lieferketten verlagern oder aufgrund von Verunsicherung Investitionen aufschieben, beeinträchtigt das weltweit Kapazitäten, Preise und damit die Versorgung der Patienten.
Gleichwohl macht den Herstellern die Planungsunsicherheit zu schaffen, denn Vieles von dem, was das Weiße Haus ankündigt, kommt dann doch anders oder gar nicht.
Siehe auch News vom 12.5.2026.
Quellen:
- Statistisches Bundesamt – 24 % der deutschen Pharma-Exporte 2024 gingen in die USA
- PHARMA Deutschland – Trumps Handelspolitik gefährdet Arzneimittelversorgung und Pharmaproduktion
- IW Institut der deutschen Wirtschaft – US-Pharmazölle: „Der Schuss könnte für die USA nach hinten losgehen“
- FuW – Sandoz sieht bei Trumps Generikazöllen viele offene Fragen
- Deutsches Ärzteblatt – Deutschland und die USA ringen um höhere Arzneimittelpreise