Versorgung sichern – Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) legt Aktionsplan 2025-2030 für zahnärztliche Versorgung vor

Versorgung sichern – Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) legt Aktionsplan 2025-2030 für zahnärztliche Versorgung vor

Neue Weichenstellung für die Zahngesundheit in Deutschland

Am 24.10.2025 hat die KZBV ihren neuen Aktionsplan „Versorgung sichern – Strukturen stärken“ veröffentlicht – mit dem Ziel, die vertragszahnärztliche Versorgung in Deutschland bis 2030 flächendeckend und wohnortnah zu sichern.

Der Plan analysiert die aktuelle Versorgungslage, berücksichtigt demografische Entwicklungen und identifiziert Regionen, in denen künftig Versorgungsengpässe drohen könnten. Die KZBV richtet sich damit ausdrücklich gegen eine pauschale Wiedereinführung einer Zulassungsbeschränkung (sog. Bedarfszulassung) als Mittel zur Steuerung der Versorgung.

Wichtige Maßnahmen des Aktionsplans

  • Förderung der Niederlassung in strukturschwachen Regionen: In unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten sollen staatliche Investitionskostenzuschüsse sowie steuerliche Vergünstigungen für Zahnärztinnen und Zahnärzte eingeführt werden, die dort eine Praxis eröffnen oder ihren Ruhestand hinausschieben.
  • Bürokratieabbau und faire Vergütung: Der Plan fordert eine vollumfängliche Vergütung erbrachter Leistungen und weniger bürokratische Hürden in Praxen, um die Attraktivität für niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte zu erhöhen.
  • Praxistaugliche Digitalisierung: Die KZBV spricht sich für die Umsetzung praxistauglicher digitaler Lösungen aus, um Abläufe zu vereinfachen und moderne Versorgungsformen zu ermöglichen.
  • Vermeidung einer Rückkehr zur Bedarfszulassung: Der Aktionsplan macht deutlich: Pauschale Zulassungsverbote in vermeintlich überversorgten Gebieten wären kontraproduktiv. Stattdessen setzen KZBV und Landes-KZVen auf differenzierte, regional angepasste Maßnahmen.

Warum der Schritt jetzt wichtig ist

Die demografische Entwicklung – steigender Anteil älterer Menschen, sinkende Geburtenzahlen – sowie wachsende Anforderungen an Prävention und Gesundheitsversorgung machen es erforderlich, auch die zahnärztliche Versorgung zukunftsfest aufzustellen, damit eine flächendeckende und wohnortnahe zahnmedizinische Versorgung auch in Zukunft gewährleistet werden kann. Werden jetzt nicht entsprechende Weichen gestellt, droht ansonsten für einzelne Regionen eine Verschlechterung der Versorgungslage.

 

Kommentar:

Der Erfolg hängt von politischem Mut und konkretem Handeln ab

Der neue Aktionsplan der KZBV ist ohne Frage ein notwendiges Signal: Die zahnärztliche Versorgung in Deutschland steht unter Druck – demografisch, wirtschaftlich und strukturell. Die Analyse ist treffend, und viele der vorgeschlagenen Maßnahmen sind sinnvoll.

Zwar setzt die KZBV richtigerweise auf regionale Lösungen statt auf pauschale Bedarfszulassungen, und auch die Idee, Niederlassungen in strukturschwachen Regionen mit Förderprogrammen attraktiver zu machen, ist absolut nachvollziehbar. Doch fast alle im Aktionsplan genannten zentralen Maßnahmen hängen vollständig vom politischen Willen ab. Ob steuerliche Vergünstigungen, Investitionskostenzuschüsse oder Entbürokratisierung tatsächlich kommen, liegt nicht in der Hand der Selbstverwaltung, sondern bei Bund, Ländern und Kommunen. Für junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die über eine Praxisgründung nachdenken, schafft das wenig Planungssicherheit.

Hinzu kommt, dass der Aktionsplan die altbekannten strukturellen Probleme zwar benennt, sie aber nicht konsequent adressiert. Fachkräftemangel, mangelnde Nachfolgeregelungen in ländlichen Gegenden und die wachsende Dynamik investorengetragener MVZ werden erwähnt, konkrete Gegenstrategien fehlen jedoch weitgehend. Gerade iMVZ werden jedoch häufig in urbanen Regionen gegründet und können den Trend zur Ausdünnung der Versorgung auf dem Land somit verstärken. Ohne weitere regulatorische Maßnahmen bleibt dieses Risiko bestehen.

Ebenso kritisch ist der Bereich der Vergütung und Budgetierung. Zwar fordert die KZBV eine vollumfängliche Honorierung erbrachter Leistungen, doch ohne eine verbindliche politische Zusage bleibt fraglich, ob Praxen künftig wirklich ausreichend finanziell ausgestattet sind. Schon heute warnen viele zahnärztliche Körperschaften, dass Budgetierung zu Versorgungseinschränkungen führen kann – ein Szenario, das der Aktionsplan eigentlich verhindern soll.

Zudem ist der Plan primär auf die allgemeinzahnärztliche Versorgung fokussiert. Spezialisierte und Fachzahnarztpraxen oder besonders vulnerable Patientengruppen – etwa pflegebedürftige Menschen oder solche mit schweren systemischen Erkrankungen – bleiben dagegen weitgehend unberücksichtigt. Die Folge könnte sein, dass genau jene Versorgungslücken, die man vermeiden will, an anderer Stelle erneut entstehen.

Alles in allem liefert der Aktionsplan einen vernünftigen strategischen Rahmen. Damit die Versorgung bis 2030 wirklich stabil und gerecht bleibt, braucht es jedoch konkrete Zeitpläne, verbindliche Finanzierungszusagen und politische Entscheidungen, die über das Papier hinausgehen. Sonst droht der Plan, trotz guter Analyse und klarer Ziele, zu einem Papiertiger zu werden und die Herausforderungen in der zahnärztlichen Versorgung bleiben ungelöst.

Quellen:

Verena Heinzmann
Autor Verena Heinzmann
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