Wachsende Unterstützung für Zuckersteuer in Deutschland

Wachsende Unterstützung für Zuckersteuer in Deutschland

Die Einführung einer bundesweiten Zuckersteuer rückt in Deutschland zunehmend in den politischen Fokus. Anlass sind die gesundheitlichen Folgen eines hohen Zuckerkonsums sowie die damit verbundenen Belastungen für das Gesundheitssystem. Ein breites Bündnis aus Politik, Gesundheitswesen und Organisationen – darunter die Bundeszahnärztekammer, die Bundesärztekammer und Foodwatch – unterstützt Maßnahmen wie eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke und Werbebeschränkungen. Auch Empfehlungen von Expertengremien und politische Vorstöße zeigen: Die Unterstützung wächst, auch wenn das Thema politisch noch umstritten bleibt.

Ausmaß des Zuckerkonsums in Deutschland gesundheitlich bedenklich

Der durchschnittliche Zuckerkonsum in Deutschland liegt bei rund 90 Gramm pro Kopf und Tag – deutlich über den empfohlenen Höchstwerten von etwa 50 Gramm. Besonders ins Gewicht fallen zuckerhaltige Getränke: Laut Foodwatch stammen etwa 26 Gramm täglich allein aus Softdrinks, Säften und ähnlichen Produkten, womit Deutschland im westeuropäischen Vergleich zu den Spitzenreitern zählt. Häufig deckt bereits allein der Konsum dieser Getränke mehr als die Hälfte der empfohlenen Tagesmenge ab.

Die gesundheitlichen Folgen sind erheblich. Eine zuckerreiche Ernährung gilt laut WHO als zentraler Treiber für Übergewicht und ernährungsbedingte Krankheiten. Vor allem Getränke liefern große Mengen sogenannter „freier Zucker“, die schnell aufgenommen werden, aber kaum Nährwert bieten. Ein dauerhaft hoher Konsum erhöht nicht nur das Risiko für Karies und Parodontalerkrankungen, sondern auch für Adipositas sowie Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose.

Eine gestaffelte Zuckersteuer könnte hier wirksam ansetzen: Sie motiviert Hersteller zu weniger Zucker in ihren Produkten, senkt den Konsum und reduziert langfristig die Gesundheitskosten. Besonders relevant ist dies, da die steigende Erschwinglichkeit von Getränken den Konsum in den letzten Jahren begünstigt hat. Schätzungen zufolge könnten so bis 2030 erhebliche Einsparungen bei den Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung erzielt werden.

Kommentar:

Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte FinanzKommission Gesundheit (FKG) greift in ihrem aktuellen Bericht die Einführung einer Zuckersteuer als Maßnahme zur Stabilisierung der GKV-Finanzen auf. Konkret empfiehlt sie eine gestaffelte Abgabe auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke (Empfehlung Nr. 66):

  • < 5 g Zucker/100 ml: steuerfrei
  • 5 – < 8 g Zucker/100 ml: 26 Cent je Liter
  • ≥ 8 g Zucker/100 ml: 32 Cent je Liter

Die Kommission schätzt die finanziellen Effekte durch Steuereinnahmen in den ersten Jahren nach Einführung auf rund 450 Mio. €. Darüber hinaus werden mittel- bis langfristig positive Effekte durch eine Verringerung der Krankheitslast erwartet, wobei sie von Einsparungen in Höhe von 20 bis 170 Mio. € pro Jahr ausgeht.

Positive internationale Erfahrungen von Zuckerabgaben

Die Kommission verweist auf positive Erfahrungen aus weltweit mehr als 100 Ländern, die bereits Abgaben auf zuckergesüßte Getränke eingeführt haben, wie etwa Großbritannien. Dabei kommen teils unterschiedliche Modelle und Steuersätze zum Einsatz. In der Regel orientieren sich die Abgaben am Volumen oder am Zuckergehalt, während bestimmte Getränke wie Tee, Kaffee oder aromatisierte Milchgetränke meist ausgenommen sind.

Die Studienlage zeigt zwei zentrale Effekte: Erstens werden die Abgaben größtenteils über höhere Preise an die Verbraucher weitergegeben, was zu einem Rückgang des Konsums führt. Zweitens reagieren Hersteller häufig mit Produktreformulierungen und senken den Zuckergehalt. Ausweichreaktionen auf andere ungesunde Produkte fallen insgesamt begrenzt aus.

Gesundheitliche Effekte treten vor allem langfristig auf durch weniger Übergewicht und verbesserte Gesundheitsindikatoren, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Für Deutschland lassen Modellrechnungen vergleichbare Effekte erwarten, einschließlich zusätzlicher Steuereinnahmen und spürbarer Entlastungen im Gesundheitssystem.

Quellen:

Autor Antonia Leonhard
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