WIdO-Krankenhausreport sieht große Potenziale bei Ambulantisierung

WIdO-Krankenhausreport sieht große Potenziale bei Ambulantisierung

Rund 8,6 Mio. Fälle – und damit mehr als die Hälfte aller in deutschen Krankenhäusern behandelten Fälle – könnten ambulant versorgt oder sogar ganz vermieden werden. Zu diesem Ergebnis kommt der Krankenhaus-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Grundlage der Analyse war eine Modellrechnung, in der sämtliche wissenschaftlich belegten Ansätze zur Vermeidung beziehungsweise Verlagerung stationärer Behandlungen in den ambulanten Bereich zusammengeführt wurden. Auf dieser Basis wurden alle 15,2 Mio. Krankenhausfälle des Jahres 2024 überprüft.

Laut WidO liegt das Substitutionspotenzial je nach Bundesland zwischen 53 und 58 % der stationären Fälle. Bezogen auf die Belegungstage ergäbe sich daraus ein Verlagerungspotenzial von 42 %; zugleich könnten die Krankenhausausgaben um rund 39 % reduziert werden. Besonders große Ambulantisierungspotenziale von jeweils über 60 % zeigen sich in grundversorgenden Fachrichtungen wie der Inneren Medizin und der Allgemeinen Chirurgie, wo besonders viele Fälle behandelt werden.

 

Kommentar:

Bereits seit Langem steht die Substitution kostenintensiver stationärer Krankenhausbehandlungen durch ambulante Therapieformen im Fokus gesundheitspolitischer Reformbemühungen. Trotz zahlreicher Maßnahmen der vergangenen Jahre – etwa der Einführung ambulanter Operationen oder zuletzt der Hybrid-DRG – weist Deutschland im internationalen Vergleich weiterhin eine außergewöhnlich hohe Zahl stationärer Behandlungen auf.

Wie der Krankenhaus-Report 2026 des WIdO zeigt, dürfte auch die in den kommenden Jahren umzusetzende Krankenhausreform daran nur wenig ändern. Offenbar wurde die Chance verpasst, die Reform konsequent für eine strukturelle Stärkung ambulanter Versorgungsformen zu nutzen und diesbezüglich bestehende Überkapazitäten im stationären Bereich wirksam abzubauen.

Am Beispiel des Vorreiters Nordrhein-Westfalen zeigt sich, dass es gerade in den grundversorgenden Disziplinen kaum zu einer relevanten Konzentration der Leistungsgruppen kommt. Damit bleibt weiterhin ein breites stationäres Versorgungsangebot mit entsprechend hohen Kapazitäten bestehen. Zusätzlich könnte die im Rahmen der Krankenhausreform vorgesehene Vorhaltevergütung in Kombination mit der seit 2020 geltenden gesonderten Finanzierung der Pflegekosten über das Pflegebudget Fehlanreize zugunsten stationärer Leistungen aufrechterhalten und damit einer stärkeren Ambulantisierung entgegenwirken.

Quelle: AOK – Krankenhaus-Report 2026: In allen 16 Bundesländern könnten mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle ambulant versorgt werden

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
Arrow right icon