Wirtschaftliche Entwicklung der Arztpraxen bleibt auf niedrigem Niveau

Wirtschaftliche Entwicklung der Arztpraxen bleibt auf niedrigem Niveau

Die wirtschaftliche Entwicklung in den Arztpraxen verbessert sich nur langsam. Das geht aus einer Vorabinformation des Zi-Praxis-Panels hervor, an dessen zugehörigen Umfrage 5.132 Arztpraxen teilnahmen. Durchschnittlich sind die erzielten Jahresüberschüsse der Praxen im Befragungszeitraum von 2016 bis 2019 inflationsbereinigt um 1,3% jährlich gestiegen. Gleichzeitig liegt jedoch die Entwicklung der Betriebskosten bei +14% und damit bei fast dem Dreifachen der bundesdurchschnittlichen Verbraucherpreise mit +4,8%.

Was führt zum starken Anstieg der Kosten in den Praxen?
Verantwortlich für die steigenden Kosten in den Praxen ist allem voran der Personalbedarf, der mehr als die Hälfte (55%) der Gesamtaufwendungen ausmacht. Über den gesamten Beobachtungszeitraum sind die Personalkosten um 21,9% gestiegen, bezogen auf den aktuellsten Wert 2019 um 6,7%. Weitere große Kostenanteile entfallen mit 12,2% auf Material und Labor sowie mit 5% auf die Miete für Praxisräumlichkeiten.

Bedeutung der gesetzlichen Krankenversicherung wird größer
Der Anteil an den Gesamteinnahmen, den Arztpraxen mit der Behandlung von gesetzlich Versicherten erzielen, ist in dem beobachteten Dreijahreszeitraum überdurchschnittlich stark gestiegen. Die Einnahmen mit der gesetzlichen Krankenversicherung haben sich, gemessen an den Gesamteinnahmen, um 11,6% erhöht, während der Anstieg der Privateinnahmen in Höhe von 8,6% unter dem Durchschnitt lag.

 

Kommentar

Was bedeutet das für die wirtschaftliche Lage der Arztpraxen?
Für die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Praxen sind die durch das Zi-Panel gewonnenen Vergangenheitswerte keine geeignete Grundlage. Grund dafür ist die mit 4,1% derzeit hohe Inflationsrate, welche die Rate der vergangenen Jahre um fast das Dreifache überschreitet. Unter Zugrundelegung einer vergleichbaren Einnahmen- und Kostenentwicklung würde dies für die Praxen zum heutigen Zeitpunkt reale Verluste bedeuten. Die Sicherstellung der flächendeckenden wohnortnahen Versorgung ist an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geknüpft. Insbesondere der Zeiteinsatz müsse, laut Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, so entlohnt werden, dass unter dem Strich ein Plus für die Praxen bleibt. Zudem trägt die Corona-Pandemie aktuell weiterhin zu einer überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung bei den Niedergelassenen bei, die monetärer Anerkennung bedarf. Die Verdienstmöglichkeiten im ambulanten Sektor müssen mit den anderen Bereichen mithalten können, um auch hier die Nachwuchsversorgung gewährleisten zu können.

Quelle: Zi – Vorabinformation aus dem Zi-Praxis Panel zur wirtschaftlichen Lage der Arztpraxen 2016-2019 veröffentlicht

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