Hohe Nachfrage nach Studienplätzen – begrenzte Kapazitäten
Im Wintersemester 2024/25 nahmen 1.526 Studienanfängerinnen und -anfänger ihr Studium auf. Die große Attraktivität des Studienfachs Zahnmedizin zeigt sich besonders deutlich im Verhältnis von Bewerbungen zu Studienanfängern. Dieses stieg von 3,9 im Wintersemester (WS) 2016/17 auf 7,2 im WS 2024/25.
Trotz wachsender Nachfrage nach Studienplätzen ist keine strukturelle Ausweitung der Ausbildungskapazitäten erkennbar.
Studierendenzahlen im Staatsexamen seit Jahren konstant
Die Zahl der Studierenden der Zahnmedizin mit dem Abschlussziel Staatsexamen zeigt über einen Zeitraum von fast 25 Jahren bemerkenswerte Stabilität. Während im Jahr 2000 bundesweit 12.569 Studierende eingeschrieben waren, lag die Zahl 2023 bei 12.460 und 2024 bei 12.435. Allerdings ist die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger leicht gestiegen: von 2.085 im Jahr 2000 auf 2.226 im Jahr 2023 und 2.268 im Jahr 2024.
Deutlich steigender Frauenanteil prägt das Fach
Ein zentraler Strukturwandel zeigt sich im Frauenanteil. Lag dieser bei Studierenden mit Abschlussziel Staatsexamen im WS 2000/01 noch bei 52,2 %, so betrug er im WS 2024/25 bereits 70,9 %. Die Zahnmedizin entwickelt sich seit Jahren von einem männerdominierten zu einem überwiegend weiblich geprägten Studien- und Berufsfeld – mit langfristigen Auswirkungen auf Berufsbiografien, Arbeitszeitmodelle und Versorgungsstrukturen.
Promotion: Deutlicher Ausbau der wissenschaftlichen Qualifikation
Die Zahl der Studierenden mit Abschlussziel Promotion hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht. Waren damals 627 Promovierende eingeschrieben, stieg ihre Zahl 2023 auf 2.234 und 2024 auf 2.262. Auch bei den Studienanfängerzahlen zeigt sich ein deutlicher Anstieg (von 240 im Jahr 2000 auf 507 im Jahr 2023; im Jahr 2024 waren es 489).
Gleichzeitig entwickelte sich die Zahl der tatsächlich abgeschlossenen Promotionen rückläufig: von 1.066 Promotionen im Jahr 2000 auf 848 im Jahr 2024. Dies weist auf längere Promotionszeiten und veränderte Karriereentscheidungen hin.
Auch unter den Promovierenden stieg der Frauenanteil deutlich – von 50,6 % (WS 2000/01) auf 66,1 % (WS 2024/25).
Masterstudiengänge gewinnen an Bedeutung
Die Masterstudiengänge in der Zahnmedizin verzeichnen seit ihrer Etablierung ein kontinuierliches Wachstum. Im Wintersemester 2016/17 waren 680 Studierende eingeschrieben, im WS 2023/24 bereits 913, im WS 2024/25 schließlich 973. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung strukturierter postgradualer Qualifikationen und Spezialisierungen.
Abschlüsse und Approbationen: Nachwuchs reicht nicht automatisch für Ersatzbedarf
Im Jahr 2024 wurden 1.801 Staatsexamina abgeschlossen (2000: 1.533) sowie 2.448 Approbationen erteilt. Diese Zahlen deuten auf einen grundsätzlich stabilen Nachwuchs hin. Gleichwohl ist die Entwicklung im Kontext der Altersstruktur der tätigen Zahnärzteschaft zu betrachten.
Kommentar:
Demografische Realität trifft auf begrenzte Ausbildungskapazitäten
Zwar ist die Gesamtzahl der zahnärztlich tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte in den vergangenen 25 Jahren von 63.326 im Jahr 2000 auf 73.511 im Jahr 2024 gestiegen, dennoch besteht Handlungsdruck, um auch in Zukunft eine flächendeckende zahnmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Altersstruktur der zahnärztlich tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte im Jahr 2024 macht diesen Handlungsdruck deutlich: 37 % von ihnen sind aktuell 55 Jahre oder älter, davon sind 11 % bereits über 65 Jahre alt. Gleichzeitig sind lediglich 19 % der Zahnärztinnen und Zahnärzte unter 35 Jahre alt. Der bevorstehende Ruhestand der großen „Babyboomer“-Kohorte wird damit absehbar zu erheblichen Nachbesetzungsbedarfen führen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die seit Jahren nahezu unveränderte Zahl der Studierenden im Staatsexamen kritisch. Zwar ist das Fach hochattraktiv, doch Attraktivität allein ersetzt keine zusätzlichen Ausbildungskapazitäten. Verschärfend kommt hinzu, dass sich die verfügbare Behandlungszeit pro Zahnärztin bzw. Zahnarzt durch veränderte Erwerbsbiografien, Teilzeitquoten und Vereinbarkeitsanforderungen von Familie und Beruf perspektivisch weiter reduzieren dürfte.
Die Zahlen legen nahe: Die demografische Uhr tickt! Ohne eine strategische Ausweitung der Studienplätze seitens der Politik droht eine Verschärfung der aktuell bereits bestehenden regionalen Versorgungsengpässe.
Lesen Sie auch unsere News vom 28.11.2025 zum Aktionsplan 2025-2030 der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), in der es ebenfalls um das Thema Versorgungssicherung geht.
Nähere Infos zur regionalen zahnärztlichen Versorgung liefert der Atlas Medicus Marktatlas. Informieren Sie sich unter https://www.rebmann-research.de/atlas-medicus.
Quelle: Bundeszahnärztekammer: Statistisches Jahrbuch 2024/2025