Apotheken in Zeiten der Coronakrise – Gewinner und Verlierer

Apotheken in Zeiten der Coronakrise - Gewinner und Verlierer
Landläufig herrscht die Meinung vor, dass Apotheken eine der wenigen großen Gewinner der Coronakrise seien. Diese generalisierte Betrachtungsweise ist jedoch nicht zutreffend.  Zur Beurteilung der Situation bedarf es einer Differenzierung nach Apothekentyp und Zeitraum. Beim Apothekentyp lassen sich vor allem die Wohnort- und Stadtteil-Apotheken als Gewinner identifizieren, allerdings profitieren auch die Land-Apotheken von der aktuellen Nachfragesteigerung. Aufgrund der aktuellen Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten und Produkten führte Letztere jedoch nicht in vollem Umfang zu einer Umsatzsteigerung. Auch der Versandhandel hat per se zugelegt. Klare Verlierer sind die klassischen Lauflage- und Innenstadt-Apotheken, Apotheken an eigentlichen Hochfrequenzstandorten (Bahnhof etc.) und in tourismus- und gesundheitsorientierten Standorten (u.a. Kurstädte). Im Folgenden soll die Kundenentwicklung zwischen dem 1.3. und 10.4.2020 anhand von zwei Praxisbeispielen aufgezeigt werden:
Land-Apotheke
Zeitraum

2019

2020

Veränderungen

01. - 10.03.

877 St.

1.074 St.

197 St.

22%

11. - 20.03.

964 St.

1.255 St

291 St.

30%

21. - 31.03.

940 St.

817 St.

-123 St.

-13%

Summe März

2.781 St.

3.146 St.

365 St.

13%

01. - 10. April

1.006 St.

727 St.

-279 St.

-28%

Lauflage-Apotheke
Zeitraum

2019

2020

Veränderungen

01. - 10.03.

1.970 St.

2.433 St.

463 St.

24%

11. - 20.03.

2.289 St.

2.584 St

295 St.

13%

21. - 31.03.

2.200 St.

1.936 St.

-264 St.

-13%

Summe März

6.459 St.

6.953 St.

494 St.

8%

01. - 10. April

1.838 St.

1.256 St.

-582 St.

-32%

Den starken Zuwächsen in den ersten beiden Märzdekaden (Beginn der Pandemie) stand bereits in der letzten Märzdekade ein Umsatzrückgang entgegen (Kontaktbeschränkungen ab dem 22.3.2020). Gründe und Ursachen Die übergeordneten Gründe wie u.a. die Kontaktsperre, die “Bleib-zu-Hause-Kampagne” und die Schließung der Einzelhandelsgeschäfte liegen auf der Hand. Dennoch sollten sich die ApothekerInnen die Frage stellen, ob die Warenbevorratung richtig eingesteuert war/ist und ob ihre Digitalisierungsstrategie im Hinblick auf die Kundenbindung ausreichend war/ist. Gerade während der Pandemiezeit lässt sich nicht verhindern, dass bisherige Vor-Ort-Kunden den Versandhandel für sich entdecken. Wirtschaftliche Auswirkungen Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die durchschnittliche Umsatzrendite einer Haupt-Apotheke bei ca. 6% liegt (Filiale bei 4 – 4,5%), ist es leicht vorstellbar, welche Folgen ein Umsatzrückgang um 25% (bei einer Wareneinsatzquote von 75%) mit sich bringt. Die Rendite der Hauptapotheke sinkt auf lediglich noch 2% und die Rendite der Filiale auf 0%. Quelle: Marco Benz – apomind gmbH   Unser Kommentar/Praxistipp ist nur für ATLAS MEDICUS® Kunden ersichtlich.
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