Krankenhausmarkt verliert 2021 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft an Dynamik

Krankenhausmarkt verliert 2021 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft an Dynamik

Der stationäre Versorgungsbereich (Krankenhäuser sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen) stellt im Jahr 2021 mit einem Marktumsatz von knapp 138 Mrd. Euro den größten Teilmarkt innerhalb des deutschen Gesundheitswesens. Mit einem Wachstum von 4,63% gegenüber dem Vorjahr setzt sich die positive Entwicklung fort, wobei der Markt im Vergleich zur Entwicklung des BIP (+6,03%) an Dynamik verliert. Viele Krankenhäuser kämpfen nach einer vorübergehenden Entspannung (dank umfangreicher staatlicher Hilfen im Pandemiejahr 2020) wieder mit einer deutlichen Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage.

Negative Folgen des Krankenhausfinanzierungssystems

Der Frühjahrserhebung 2021 des Krankenhausbarometers zufolge, beurteilen nur noch 11% aller befragten Kliniken die Lage als „eher gut“, 34% als „teils, teils“ und 55% als „eher unbefriedigend“. Für 2022 erwarten 50% der Einrichtungen eine negative, 29% eine konstante und 21% eine positive Entwicklung der wirtschaftlichen Situation. Als Reaktion auf die Fehlsteuerungen des Betriebskostenfinanzierungssystems über die Fallpauschalen und die seit Jahrzehnten unzureichende Investitionsfinanzierung steht gegenwärtig eine große Krankenhausfinanzierungsreform auf der politischen Agenda. Diese soll Vorhalteleistung besser berücksichtigen. Zur Stützung der Branche sind ferner Finanzhilfen sowohl zur Abfederung der pandemiebedingten Belastungen als auch der inflationsbedingten Kostensteigerungen in Planung. Darüber hinaus profitieren die stark unterfinanzierten Bereiche Pädiatrie und Geburtshilfe zunächst für zwei Jahre von einer speziellen Förderung.

Fachkräftemangel, Ambulantisierung und Digitalisierung als Herausforderung

Neben den wirtschaftlichen Problemen gilt der sich zuspitzende Fachkräftemangel als größte Herausforderung. Die verbindlichen Personaluntergrenzen, die mit Blick auf die Qualität der Leistungen eingeführt wurden, sorgen in diesem Zusammenhang zum Teil zu Betriebseinschränkungen. Die politisch initiierte Substitution stationärer durch ambulante Leistungen in Form ambulanter Therapien, Operationen und Tagesbehandlungen erfordert bei stagnierenden oder sogar sinkenden stationären Fallzahlen neue Strategien. Bei der Digitalisierung haben die deutschen Kliniken nach wie vor großen Nachholbedarf. Wenngleich ausreichende finanzielle Mittel und personelle Ressourcen fehlen, wird sie dennoch von den Kliniken als Chance wahrgenommen.

 

Kommentar:

Die Pandemie hat die strukturellen Probleme der Krankenhäuser weiter verschärft. Die Finanzhilfen können deshalb nur vorübergehend für Entlastung sorgen. Es ist höchste Zeit für die bereits seit Jahren geforderte umfassende Krankenhausreform. Kliniken benötigen dringend finanzielle Planungssicherheit, um den aktuellen Herausforderungen standhalten zu können.

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Quelle: GESUNDHEITSMARKTWISSEN

Dr. Elisabeth Leonhard
Autor Dr. Elisabeth Leonhard
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